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Rhein-Zeitung am 4.Sept. 2004

Das Feuer neu entfachen

Die Kirche steckt in einer Krise, sie hat an Bedeutung verloren. Die Menschen wenden sich ab, haben andere "Verpflichtungen", Sehnsüchte und Erfüllungen. "Oft herrscht der Eindruck, dass das Kleid des Glaubens nur noch zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wird", sagt Hubert Lenz. Andererseits spürt der Vallendarer Pallottinerpater eine Sehnsucht nach Gott. Die Glut ist nicht erloschen, es gilt, "das Feuer neu zu entfachen". Glaubenskurse zeigen einen Weg.

Die Begegnung liegt lange zurück, doch sie ist bis heute unvergessen. Ein junger Mann fragt Hubert Lenz: "Wo kann man beten lernen?" Der zunächst verblüffte Priester verweist auf die Jugendmesse. Die Frage bleibt ihm im Ohr, was hätte er wohl anderen gesagt? "Ich spürte, dass es etwas geben müsste, durch das Erwachsene einen Zugang zu Gott, Glauben und Kirche finden." Später findet Lenz die Antwort: Fragende und Suchende können in gemeinsamen Gesprächsrunden zündende Impulse erhalten.

Die "Glaubenskurse" des "Forum Vinzenz Pallotti" der Theologischen Hochschule Vallendar werden nunmehr seit zwölf Jahren angeboten. Hubert Lenz sieht sich zwar als Impulsgeber, der den Stein ins Rollen bringt. Aber längst kann er auf einen ehrenamtlichen Mitarbeiterkreis bauen. Gemeinsames Ziel ist es, die Glaubenskurse in die Gemeinden zu tragen und den Menschen vor Ort "Lebendigkeit" zu vermitteln – und der Kirche Zukunft zu geben.

Vieles, was der 52-Jährige heute tut, weiß und erklären kann, hat seinen Ursprung in jüngeren Jahren. Sein Lebenslauf setzt Mosaiksteine, die sich später zu einer Lebensaufgabe vereinen.

Hubert Lenz wird als ältestes von drei Kindern in Kassel geboren. Seine Eltern wurden aus Pommern vertrieben, sie leben in einfachen Verhältnissen, ermöglichen ihrem Sohn dennoch den Besuch der höheren Schule. Hubert engagiert sich früh im kirchlichen Bereich und hat in seinen Eltern "beeindruckende Vorbilder".

Bereits als Kind spürt der Junge die Sehnsucht, später Priester zu werden, hütet das allerdings lange als "Geheimnis". Als Achtjähriger betet er regelmäßig, dass sich der Wunsch erfüllen möge: "Jesus, lass mich Priester werden." Und mit 14, als er in der Badewanne liegt, hat Hubert Lenz einen Tagtraum: Er sieht sich als Priester von Mensch zu Mensch gehen und mit ihnen sprechen – "und alle werden zu Gott finden". Die Sehnsucht, diese Hilfestellung zu geben, bleibt. Im Elternhaus findet diese Sehnsucht Nahrung: "Wir haben viel gebetet und gesprochen, ich habe meine Eltern als beeindruckende hilfsbereite Christen erlebt." Der Glaube gehört zum Alltag: "Das war die primäre Welt."

Bis drei Monate vor seinem Abitur hütet Hubert Lenz sein Geheimnis, Priester zu werden. "Ich wollte nicht dauernd darüber sprechen. Ich wollte nicht abgestempelt sein und in eine Ecke gedrängt werden. Ich wollte Freiheit haben." Die Eltern erkennen die Überzeugung und versuchen nicht, den Sohn vom vorgezeichneten Weg weg zu bringen. 1971 tritt er in die Gemeinschaft der Pallottiner ein.

Er beginnt seine Ausbildung in Untermerzbach: "Eine Zeit, in der ich menschlich, charakterlich und religiös in die Gemeinschaft hineinwuchs. Ich erfuhr und erlebte noch einmal, was es heißt, mit Gott in Beziehung zu treten." Er spürt: "Da ist ein Feuer entfacht." Und in der Zeit seiner Exerzitien – "ich kann heute noch Tag und Stunde sagen, es war am 19. Februar 1972 am Nachmittag" – da "fällt der Groschen": Hubert Lenz begreift: "Was heißt es eigentlich, dass Gott dich liebt? Du darfst leben, du darfst sein – alles ein Geschenk." Pause. "Von dieser Erfahrung lebe ich bis heute. Es war wie eine zweite Geburt."

Hubert Lenz studiert "mit Freude" Philosophie und Theologie, 1974 bis 1978 in Vallendar. In dieser Zeit "habe ich viel nachgedacht und sehr viel in der Bibel gelesen", er nennt das die "Schätze seiner Ausbildung". Bei seiner Priesterweihe 1978 steht auf dem Primizbild zu lesen: "Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet und wir das Geheimnis Christi künden können. Also auch dort wieder der Grundgedanke, den Menschen Christus nahe zu bringen."

Vier Jahre arbeitet Hubert Lenz als Kaplan, unter anderem in Limburg. Aus dieser Zeit bleiben zwei wichtige Erfahrungen unvergessen, die für ihn später von Bedeutung sind: Der Priester nimmt sich vor, alle Eltern der Erstkommunionkinder zu Hause zu besuchen – das sind 30 bis 40 Besuche, jedes Jahr. Bei diesen Gesprächen – und auch bei Elternabenden – erlebt der Jungpriester immer wieder, dass die Eltern durch die Kinder neu zum Glauben kommen und beginnen, sich neu einzulassen. "Das war beeindruckend schön. Und trotzdem hatte ich den Eindruck, da stimmt was nicht."

Lenz denkt über sein Tun nach: "Was du jetzt machst, das schaffst du in einigen Jahren kräftemäßig nicht mehr. Du kannst nicht hinter jedem Einzelnen her laufen." Da reift die Idee: "Es müsste einen Kurs für die Eltern geben. Einen ähnlichen Kurs wie für die Kinder, die durchaus Feuer gefangen hatten und zu begeistern waren".

In dieser Phase – und dies sollte die zweite Erfahrung werden – begegnet Hubert Lenz auch der eingangs erwähnte junge Mann mit der Frage: "Wo kann man beten lernen?" Erkenntnisse und Fragen als Impulsgeber. Die Idee der Glaubenskurse reift.

Das philosophische Zusatzstudium in München schließt Hubert Lenz mit Magister und Promotion ab. In dieser Zeit erkrankt er an Krebs. "Das war eine Erschütterung, aber auch eine wichtige Erfahrung, weil ich sehr intensiv die Not und die Ohnmacht am eigenen Körper durchmachte." Es war eine schwere Zeit. "Aber es ging alles sehr gut." Und als der Chefarzt bei der Schlussvisite sagt: "Der Herrgott lässt seine Diener nicht im Stich", da ist es für Hubert Lenz das Zeichen: "Du hast noch eine Aufgabe auf der Erde."

Fortan befasst er sich immer intensiver mit den "erträumten" und ersehnten Kursen für Erwachsene, auch, als er 1988 Dozent für systematische Philosophie an der Theologischen Hochschule in Vallendar wird. Hubert Lenz will "zündende Ideen für einen lebendigen Glauben" geben. Suchende und interessierte Menschen will er ermutigen, sich neu und tiefer auf ihre Glaubenssehnsucht einzulassen. Er verzichtet dabei auf "die Binnensprache einer Bewegung." Ziel ist vielmehr, "Kurse für eine normale Gemeinde zu gestalten, allgemein verständlich".

An seinem 40. Geburtstag, erinnert sich Hubert Lenz, da fragt ihn ein Freund, welche Träume er noch in seinem Leben hat. Die Antwort ist spontan und konkret: "Ich möchte ein Tagungshaus aufbauen. Im Herzen war mir klar, dass diese Aufgabe auf meinen Leib zugeschnitten ist." Das "Forum Vinzenz Pallotti" entsteht, in Gudrun Schäfer findet Lenz eine engagierte Mitarbeiterin. Und für die Idee der Glaubenskurse kann er sofort ehrenamtliche Mitstreiter um sich scharen.

Seit 1992 werden in Vallendar – und anderen Orten – regelmäßig Glaubenskurse angeboten. Sie sollen bei den erwachsenen Teilnehmern, meist zwischen 30 und 60 Jahren, "das Feuer neu entfachen", die Suche nach Gott begleiten und erleichtern. Aber kann der Glaube gelernt – und damit auch gelehrt – werden wie eine Sprache? "Sprache lernen ist ja nicht erst lernen in der Schule, das beginnt zu Hause mit Zuhören und Nachplappern. Ich habe Sprechen gelernt, indem ich mitbekam, wie andere sprechen. Ich habe zugeguckt, wie meine Eltern mit Messer und Gabel essen, und dann habe ich irgendwann Stück für Stück teilgenommen."

Stück für Stück kann jeder in jedem Alter Zugang zum Glauben finden oder ihn vertiefen. "Ist da nicht Feuer unter der Asche, wenn Menschen immer wieder ihrer Enttäuschung über die Kirche Luft machen? Brennt nicht doch noch ein Feuer, wenn sich Menschen über Gott aufregen und erregen? Wenn man schmerzlich spürt, dass man Kindern auf so manche ihrer Glaubensfragen keine rechte Antwort geben kann?" Fragen und Sehnsüchte, die in den Glaubenskursen beim gemeinsamen Sprechen und Beten und im Erfahrungsaustausch erarbeitet werden.

Die veränderte Gesellschaft erschwert den Weg, räumt Lenz ein. "Früher wurde Glaube von Traditionen getragen. Christ sein von der Wiege bis zur Bahre, das war selbstverständlich – allein durch Schule, Vereine, Staat. Jetzt greifen diese Traditionen immer weniger, die Kirche hat kein Monopol mehr, es gibt andere Interessen und Angebote. Die Stützen gingen verloren – und dafür hat die Kirche bis heute keinen Ersatz", sagt er selbstkritisch. "Die Glaubenskurse können ein Weg, ein Pilotprojekt sein, den Glauben wieder zu wecken und im Herzen zu verwurzeln." Ansprechpartner ist zunächst die Gemeinde. "Nur wer selbst überzeugt ist, kann andere überzeugen. Ziel der Kurse ist also, dass durch lebendige Leute andere angeschoben werden." Einer sagt´s dem anderen und überzeugt ihn. Hubert Lenz lacht: "Das ist ein bisschen wie auf einer Tupper-Party."

Reportage von Gabi Novak-Oster in der Rhein-Zeitung vom 4. Sept. 2004

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